Beim Tarot lenken Farben den Blick und prägen die Stimmung einer Karte. Ihre Bedeutung hängt vom Deck, vom Motiv und von den eigenen Assoziationen ab; einen verbindlichen Farbschlüssel gibt es nicht.
Nutzen Sie Farben als Deutungshinweise, nicht als feste Vorzeichen. Fragen Sie, was ein Farbton in der Karte hervorhebt und welche Gedanken er auslöst. Beziehen Sie Ihren Eindruck auf das Motiv und die Frage, zu der Sie die Karte gezogen haben.
Warum Tarotfarben je nach Deck variieren
Tarotdecks unterscheiden sich in ihrer Bildsprache. Künstlerinnen und Künstler gestalten traditionelle Motive neu und setzen Farben auf unterschiedliche Weise ein. Eine Farbe kann in einem Deck zu einem festgelegten Farbsystem gehören, während sie in einem anderen vor allem die Stimmung oder den Bildaufbau prägt.
Ein Beispiel ist Ithell Colquhouns Tarotprojekt Taro as Colour. Darin ordnete sie den Schwertern beziehungsweise der Luft Gelb und den Kelchen beziehungsweise dem Wasser Dunkelblau zu. Den Stäben beziehungsweise dem Feuer wies sie Scharlachrot, den Scheiben beziehungsweise der Erde Indigo zu. Diese Zuordnungen gehören zu ihrem eigenen künstlerischen Konzept. Sie gelten nicht automatisch für andere Decks.
Schauen Sie daher zuerst ins Begleitbuch oder in die Beschreibung des Decks. Wenn dort keine Farbcodes erklärt werden, lesen Sie die Farben im Zusammenhang mit der jeweiligen Karte. Studien dazu, welche Farben Menschen mit welchen Gefühlen verbinden, zeigen sowohl gemeinsame Muster als auch kulturelle und sprachliche Unterschiede. Sie untersuchen allerdings keine Tarotdeutungen und belegen deshalb keine feste Tarot-Farbsymbolik.
Wie Farben Tarotkarten prägen
Ein auffälliger Farbton lenkt den Blick häufig auf eine Figur, einen Gegenstand oder einen bestimmten Bildbereich. Wiederholt sich eine Farbe, kann sie Elemente innerhalb einer Karte oder mehrere Karten einer Legung visuell miteinander verbinden. Ein starker Kontrast hebt Unterschiede hervor.
Auch Helligkeit, Dunkelheit und Sättigung verändern den Eindruck einer Szene. Sättigung beschreibt, wie kräftig oder blass eine Farbe wirkt. Ein blasser Farbton kann auf Sie zurückhaltend oder distanziert wirken; ein intensiver Akzent kann Ihre Aufmerksamkeit stärker beanspruchen. Damit beschreiben Sie das Bild und Ihre eigene Reaktion darauf, nicht eine festgelegte Aussage über die Zukunft.
Beschreiben Sie zuerst, was Sie tatsächlich sehen: etwa „Ein kleiner roter Bereich fällt in einem überwiegend blauen Bild auf.“ Erst danach überlegen Sie, welche Bedeutung dieser Kontrast für Ihre Frage haben könnte.
Fragen zur Deutung von Tarotfarben
Nutzen Sie die Fragen in der Übersicht, um Farben im jeweiligen Bild zu deuten, ohne ihnen feste Bedeutungen zuzuschreiben. Entscheidend ist, was der Farbton in der konkreten Karte hervorhebt und wie er mit dem übrigen Motiv zusammenspielt.
| Beobachtung | Frage zur Deutung |
|---|---|
| Ein kräftiger oder warmer Farbton fällt sofort ins Auge | Was wirkt in der Szene besonders lebendig oder dringlich? |
| Ein kühler oder blasser Ton prägt das Bild | Wirkt die Szene auf mich ruhig, zurückgenommen oder distanziert? Wodurch entsteht dieser Eindruck? |
| Dieselbe Farbe taucht mehrfach auf | Welche Figuren oder Gegenstände verbindet sie möglicherweise? |
| Ein einzelner Farbakzent hebt sich ab | Warum richtet sich mein Blick gerade auf dieses Detail? |
| Das Bild ist dunkel oder stark kontrastiert | Erlebe ich es als bedrückend, schützend oder geheimnisvoll? Welche Bilddetails stützen meinen Eindruck? |
| Eine Farbe löst eine persönliche Reaktion aus | Welche Erinnerung oder Assoziation bringe ich selbst mit? Passt sie zum Kartenmotiv und zur Frage? |
Nennen Sie Ihren persönlichen Eindruck als eigene Assoziation, wenn Sie die Karte deuten. Wenn Sie etwa einen roten Akzent als belebend erleben, heißt das nicht, dass Rot in jeder Karte dieselbe Aussage trägt.
Tarotfarben in der Legung deuten
Gehen Sie in drei Schritten vor. Beschreiben Sie zuerst den Farbton und wo er im Bild steht. Notieren Sie dann Ihre spontane Reaktion. Vergleichen Sie beides mit dem Motiv, der Kartenbedeutung und der Legesituation. Ziehen Sie eine Farbe nicht allein heran, um eine Karte als Warnung oder gutes Vorzeichen einzuordnen.
Betrachten Sie bei mehreren Karten auch Wiederholungen und Kontraste. Taucht derselbe Ton mehrfach auf, prüfen Sie, ob die Karten dadurch ein gemeinsames Thema nahelegen. Steht ein einzelner Farbton im Gegensatz zur übrigen Legung, fragen Sie, welche Rolle er im jeweiligen Bild spielt. Die Farbe ist ein Hinweis unter mehreren und legt die Deutung nicht allein fest.