Eine Tarotkarte zeigt mehr als ein Stichwort wie „Neuanfang“ oder „Hindernis“: Figuren, Gegenstände und Farben ergeben eine Szene. Das Rider-Waite-Tarot, auch Rider-Waite-Smith-Tarot genannt, ist ein bekanntes Deck. Arthur Edward Waite verfasste den Begleittext, Pamela Colman Smith illustrierte die Karten.

Die Symbole liefern keine festen Antworten auf Lebensfragen. Sie regen dazu an, über Entscheidungen, Beziehungen, Arbeit und Veränderungen nachzudenken. Achten Sie zuerst auf das Dargestellte und fragen Sie dann, welche Bedeutung das Motiv für Ihre Situation hat.

Herkunft des Rider-Waite-Smith-Tarots

Tarot entstand im Europa des 15. Jahrhunderts als Kartenspiel. Ab dem späten 18. Jahrhundert nutzten Menschen Tarot auch zur Wahrsagerei. Die Behauptung, Tarot stamme aus dem alten Ägypten, ist historisch nicht belegt.

Das Rider-Waite-Smith-Deck verbindet christliche Bildwelten mit Zeichen aus Alchemie und Kabbala, westlicher Esoterik, Folklore und populärer Kultur. Deshalb verstehen nicht alle Kulturen die Symbole gleich. Waite beschrieb einzelne Karten aus seiner eigenen esoterischen Perspektive. Smiths Bilder lassen zugleich Raum für weitere Lesarten und persönliche Assoziationen.

Das Deck wurde 1909 erstmals veröffentlicht und umfasst 78 Karten: 22 Große Arkana und 56 Kleine Arkana. Die Großen Arkana zeigen einzelne Figuren und Szenen, etwa den Magier oder den Turm. Die Kleinen Arkana sind in vier Farben unterteilt und bilden auch Alltagsthemen ab.

Die vier Farben im Tarot

Eine verbreitete heutige Deutung verbindet die vier Farben mit Elementen und Lebensbereichen. Diese Zuordnungen können helfen, den Schwerpunkt einer Frage zu erkennen. Sie sind verbreitete Vereinbarungen, keine Regeln, die überall gelten.

Farbe Verbreitete Zuordnung Mögliche Frage
Schwerter Luft, Denken, Entscheidungen Welche Gedanken oder Konflikte beeinflussen mich?
Kelche Wasser, Gefühle, Beziehungen Was fühle ich, und was brauche ich in dieser Beziehung?
Münzen oder Pentakel Erde, materielle Fragen Welche Ressourcen, Pflichten oder praktischen Schritte zählen?
Stäbe Feuer, Handeln und Antrieb Was möchte ich beginnen, und wofür setze ich Energie ein?

Das Victoria and Albert Museum nennt auch eine mögliche ältere Verbindung der Farben zu gesellschaftlichen Ständen. Diese Erklärung gilt nicht als gesicherte Herkunft. Beim Deuten hilft daher eine einfache Regel: Nehmen Sie die Elementzuordnung als Anstoß und prüfen Sie, ob sie zu Ihrer Frage passt.

Der Magier zeigt Mittel und Handlung

Auf der Magierkarte hebt eine Figur eine Hand zum Himmel und richtet die andere zur Erde. Vor ihr liegen Gegenstände, die den vier Farben des Tarot entsprechen. Waite sah in der Geste eine Verbindung zwischen oben und unten. Die Gegenstände standen für Kräfte oder Mittel, die der Figur zur Verfügung stehen.

Bei einer Frage aus Ihrem Alltag lenkt die Szene den Blick auf Ihre Möglichkeiten. Wenn Sie etwa über einen beruflichen Schritt nachdenken, fragen Sie sich, welche Fähigkeiten und Kontakte Sie bereits nutzen können. Die Karte kann ebenso zu einer Gegenfrage führen: Was lässt sich tatsächlich beeinflussen, und was liegt außerhalb Ihrer Kontrolle?

Über dem Kopf der Figur befindet sich eine liegende Acht, um ihre Taille eine Schlange, die in den eigenen Schwanz beißt. Waite verband diese Zeichen mit Ewigkeit und geistigem Streben. In einer persönlichen Deutung könnten sie dazu anregen, auf wiederkehrende Muster zu achten: Entwickelt sich etwas weiter, oder begegnet Ihnen derselbe Konflikt immer wieder?

Die Hohepriesterin und verborgenes Wissen

Die Hohepriesterin sitzt zwischen zwei Säulen. In der Hand hält sie eine teilweise verdeckte Schriftrolle. Zu ihren Füßen liegt ein Mond. Hinter ihr hängt ein Schleier mit Pflanzenmotiven. Waite sah in der Schriftrolle Wissen, das nicht vollständig ausgesprochen wird.

Das Bild lässt sich als Einladung lesen, auf Unausgesprochenes oder fehlende Informationen zu achten. In einer Beziehung könnten Sie fragen, welches Thema Sie noch nicht angesprochen haben. Bei einer Entscheidung kann die Karte daran erinnern, erst weitere Fakten einzuholen. Ihre Intuition kann einen Hinweis geben, ersetzt aber nicht die Prüfung der konkreten Umstände.

Sonne, Mond und Stern im Tarot

Sonne, Mond und Stern gehören zu den auffälligen Himmelskörpern der Großen Arkana. Keiner dieser Himmelskörper hat allein eine eindeutige Bedeutung. Sie können unterschiedliche Gedanken anstoßen: Die Sonne lenkt den Blick auf Sichtbares und Klares. Beim Mond stehen Unsicherheit oder mehrdeutige Eindrücke im Vordergrund, während der Stern Orientierung und Hoffnung vermittelt.

Wenn Sie eine dieser Karten ziehen, verbinden Sie das Motiv mit einer konkreten Frage. Was wissen Sie sicher? Was vermuten Sie nur? Welche Hoffnung hilft Ihnen, weiterzugehen, ohne ein bestimmtes Ergebnis vorauszusetzen? So bleibt die Deutung offen und zugleich alltagsnah.

Drastische Karten wörtlich zu lesen hilft wenig

Tod, Turm und Teufel können auf den ersten Blick bedrohlich wirken. Das Kartenbild allein sagt jedoch nicht voraus, dass ein Todesfall, eine Katastrophe oder eine bestimmte Bindung bevorsteht. Fragen Sie stattdessen, welches Thema das Bild in Ihrer Lage berührt. Geht es um Veränderung, einen Umbruch oder eine Beziehung, die Sie belastet?

Nutzen Sie Tarot zur Selbstreflexion, nicht als Diagnose oder Vorhersage. Bei wichtigen Entscheidungen zu Gesundheit, Geld oder Recht sollten Sie konkrete Fakten und qualifizierte Beratung heranziehen, statt eine Tarotkarte als Beweis zu behandeln.

So verbinden Sie Bild und Lebensfrage

Beschreiben Sie zuerst sachlich das Bild: Wer ist zu sehen? Welche Gegenstände sind abgebildet? Wohin schauen oder bewegen sich die Figuren? Trennen Sie diese Beobachtung zunächst von Ihrer Deutung. So merken Sie leichter, wann Sie ein sichtbares Detail beschreiben und wann Sie eine persönliche Bedeutung ergänzen.

Formulieren Sie anschließend eine offene Frage, die Ihnen Handlungsspielraum lässt. Statt „Wird meine Beziehung scheitern?“ können Sie fragen: „Was brauche ich, um die Situation besser zu verstehen?“ Statt „Bekomme ich die Stelle?“ eignet sich: „Welche Fähigkeiten kann ich im Bewerbungsprozess zeigen?“ Die Karte liefert keine gesicherte Antwort, aber das Bild kann einen neuen Blickwinkel auf die Frage eröffnen.

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