Tiermotive haben im Tarot keine verbindliche Bedeutung, die für jedes Deck gilt. Deuten Sie das Tier im Zusammenhang mit der Karte. Es kann etwa ein Thema aufgreifen oder eine Spannung anzeigen. Auch die Stimmung der Szene kann es prägen.
Ein Archetyp ist ein vertrautes Bild aus einer Kultur, das etwa an Kraft, Schutz oder Instinkt denken lässt. Solche Deutungen regen zum Nachdenken an, sagen aber keine Ereignisse sicher voraus und beweisen nicht, dass eine Gefahr besteht.
Warum Deck und Szene zählen
Tarotkarten wurden zunächst als Kartenspiel genutzt. Erst im späten 18. Jahrhundert begann man, Tarotkarten zur Wahrsagung zu deuten. Im 19. Jahrhundert wurde diese Praxis wichtiger. Die Bedeutung von Tiermotiven variiert je nach Deck und Bildzusammenhang. Verschiedene Decks zeigen unterschiedliche Tiere und setzen sie in andere Bildzusammenhänge.
Auch bei einer bekannten Bildtradition hängt die Deutung davon ab, was in der Szene passiert. Arthur Edward Waite deutete den Löwen auf der Karte Kraft als Bild der Leidenschaften. Beim Mond beschrieb er Hund und Wolf als Ausdruck von Ängsten angesichts des Unbekannten. Das sind Deutungen Waites, keine allgemeingültigen Regeln für Löwen, Hunde oder Wölfe.
Achten Sie deshalb zuerst auf das konkrete Bild. Ein Tier, das ruhig neben einer Figur sitzt, vermittelt etwas anderes als ein Tier, das sie bedrängt oder in Bewegung ist. Beim Narren unterscheiden sich zudem ältere Darstellungen von der bekannten Rider-Waite-Smith-Karte: Waite beschreibt in älteren Versionen ein Tier, das den Narren angreift; auf der verbreiteten Karte begleitet ein Hund den Wanderer. Diese Bilder sollten nicht zu einer einzigen festen Hundebedeutung verschmolzen werden.
Tiere als Bilder für Kräfte
Ein Tier kann im Kartenbild für eine menschliche Eigenschaft oder einen inneren Antrieb stehen. Der Löwe auf Kraft lässt sich etwa als Bild für starke Leidenschaften lesen. Die Szene mit der Frau und dem Löwen lenkt den Blick darauf, wie jemand mit dieser Kraft umgeht. Daraus folgt nicht automatisch, dass der Löwe in jedem Tarotdeck Mut oder Selbstbeherrschung bedeutet.
Auch persönliche Assoziationen können eine Rolle spielen. Wer Hunde mit Verlässlichkeit verbindet, nimmt dasselbe Motiv womöglich anders wahr als jemand, der sich vor Hunden fürchtet. Notieren Sie solche Eindrücke als persönliche Deutung und halten Sie sie von allgemeinen Tarotregeln getrennt.
Tiere als Warnsignal oder Stimmung
Ein Tiermotiv kann auf eine mögliche Spannung hinweisen. Beim Mond können Hund und Wolf eine unruhige, wachsame oder ängstliche Stimmung unterstreichen. Dann können Sie sich fragen: „Welche Unsicherheit beschäftigt mich gerade?“ Die Karte liefert damit keine Bestätigung, dass tatsächlich Gefahr bevorsteht.
Für die Stimmung zählt, was das Tier im Bild tut und wie es wirkt. Ist es ruhig, angespannt, geführt oder bedrohlich? Betrachten Sie auch seine Umgebung und die Beziehung zu den Menschen oder anderen Tieren auf der Karte. So beschreiben Sie zunächst die sichtbare Szene, bevor Sie daraus eine Deutung ableiten.
Manche Motive verweisen außerdem auf religiöse oder kunsthistorische Traditionen. Waite ordnet die vier Wesen auf der Welt-Karte einer christlichen Symboltradition zu, die Bezüge zu Ezechiel und der Offenbarung hat. Bei solchen Bildern lohnt es sich, den kulturellen Zusammenhang mitzudenken, statt ausschließlich eine persönliche Tierassoziation heranzuziehen.
So lesen Sie das Tierbild
Gehen Sie in einer Legung in vier Schritten vor:
- Beschreiben Sie das Bild: Welches Tier sehen Sie, und was tut es?
- Beachten Sie die Wirkung: Achten Sie darauf, ob die Szene ruhig, angespannt, bedrohlich oder lebhaft wirkt.
- Prüfen Sie Karte und Deck: Welche Rolle spielt das Tier in genau dieser Darstellung?
- Beziehen Sie die Frage ein: Welcher Gedanke passt zur Legung, ohne daraus eine sichere Vorhersage zu machen?
Das Tierbild ist nur ein Teil der Botschaft der Karte. Lesen Sie deshalb auch die übrigen Motive und den Zusammenhang der Legung mit. Für eine konkrete Frage kann ein Löwe etwa Kraft darstellen, die bewusst gelenkt werden soll; in einer anderen Deutung steht vielleicht die Spannung der Szene stärker im Vordergrund.