Tarotkarten sind Spielkarten mit Bildern. Die Bilder können Ideen für Texte und Geschichten geben und zum Nachdenken über sich selbst anregen. Schon eine Figur, ein Gegenstand oder eine ungewöhnliche Szene kann eigene Gedanken auslösen. Die Karte kann als kreative Anregung dienen, unabhängig davon, ob Sie sie als Vorhersage deuten.

Im Italien der Renaissance dienten Tarotkarten zunächst als Spielkarten. Ihre Verbindung mit Wahrsagerei gewann erst später an Bedeutung. Mit zehn Übungen können Sie die Kartenbilder kreativ nutzen, allein oder gemeinsam mit anderen.

Mit Kartenbildern starten

1. Details vor Bedeutungen

Betrachten Sie eine Karte, bevor Sie im Begleitbuch nachschlagen. Notieren Sie zwei oder drei sichtbare Details, etwa eine Farbe, eine Geste oder einen Gegenstand. Schreiben Sie danach auf, welche Gedanken oder Gefühle diese Einzelheiten bei Ihnen auslösen. So richten Sie Ihre Aufmerksamkeit erst auf das Bild, bevor Sie eine vorgegebene Deutung übernehmen.

2. Eine Karte für den Tag

Ziehen Sie eine Karte und verbinden Sie sie mit einer Frage, die sich auf Ihren Tag richtet: „Worauf möchte ich heute achten?“ oder „Was könnte mir helfen, ruhig zu bleiben?“ Halten Sie Ihre erste Reaktion in einem Satz fest. Eine tägliche Übung muss nicht aufwendig sein; wenn Sie einen Tag auslassen, machen Sie am nächsten einfach weiter.

3. Drei Positionen selbst wählen

Legen Sie drei Karten aus und bestimmen Sie vorher, wofür jede Position steht. Zum Beispiel: „Was beschäftigt mich?“, „Was habe ich bisher übersehen?“ und „Welchen kleinen Schritt möchte ich erwägen?“ Die Positionen helfen Ihnen, die Karten mit Blick auf diese Fragen zu betrachten. Nutzen Sie die Antworten als Anstoß zum Nachdenken, nicht als Diagnose.

4. Deutungen rückblickend prüfen

Führen Sie ein Journal mit Datum, Frage, Karte und Ihrer ersten Deutung. Ergänzen Sie später, was tatsächlich geschehen ist und ob die Deutung Ihnen beim Nachdenken geholfen hat. An den Einträgen erkennen Sie, welche Themen Sie wiederholt beschäftigen, und verwechseln allgemein gehaltene Deutungen später nicht automatisch mit genauen Vorhersagen.

Aus Karten Geschichten machen

5. Eine Szene weiterschreiben

Wählen Sie eine Karte und beschreiben Sie, was gerade darauf passiert. Schreiben Sie anschließend auf, was unmittelbar davor geschehen sein könnte und wie die Szene weitergeht. Wenn Sie lieber mit einer konkreten Aufgabe beginnen, lassen Sie eine Figur aus dem Bild einen inneren Monolog führen. Die Karte gibt Ihnen Ideen für eine Geschichte. Sie müssen damit keine verborgene Wahrheit belegen.

6. Eine Figur interviewen

Behandeln Sie eine dargestellte Person wie eine Figur aus einem Roman. Fragen Sie schriftlich: Was will sie? Wovor hat sie Angst? Was würde sie jemandem raten? Ihre Antworten können Sie für eine Kurzgeschichte, ein Rollenspiel oder eine Figur verwenden, die Sie schon entwickelt haben.

7. In die Kartenwelt reisen

Betrachten Sie das Bild und stellen Sie sich vor, Sie betreten die Szene. Notieren Sie, was Sie dort sehen, hören oder berühren könnten und wem Sie begegnen. Schreiben Sie frei, ohne jeden Einfall sofort zu bewerten. Stellen Sie einen Timer auf zehn bis dreißig Minuten, damit Sie einen klaren Zeitrahmen haben. Diese Fantasiereise dient als Schreibübung; eine therapeutische Wirkung ist nicht belegt.

8. Eine Karte als Vorgabe

Ziehen Sie eine Karte und nutzen Sie ein Detail daraus als Vorgabe für Ihr Werk. Ein Gegenstand kann zum Thema eines Gedichts werden. Eine Geste kann als Ausgangspunkt für eine Skizze dienen, ein Konflikt als Grundlage für eine Szene. Mehrere Karten können einen Spannungsbogen für ein Lied oder eine kurze Erzählung vorgeben. Die Einschränkung soll Ideen anstoßen, nicht das fertige Werk bestimmen.

Karten allein und gemeinsam nutzen

9. Eine Karte still betrachten

Nehmen Sie sich einige Minuten Zeit, um eine Illustration in Ruhe anzusehen. Achten Sie darauf, welche Details Ihre Aufmerksamkeit auf sich ziehen, und schreiben Sie danach Ihre Beobachtungen auf. Diese einfache Bildbetrachtung eignet sich als Pause oder als Einstieg ins Schreiben eines Journals. Damit ist nicht belegt, dass Tarotkarten die Intuition oder die Wirkung von Meditation steigern.

10. Gemeinsam Geschichten bauen

Legen Sie in einer kleinen Runde reihum jeweils eine Karte auf den Tisch. Jede Person ergänzt einen Satz zur entstehenden Geschichte und greift dabei ein Detail der neuen Karte auf. Wenn jemand statt einer erfundenen Geschichte eine Legung zu einer persönlichen Frage möchte, klären Sie vorher, ob die Person das wirklich wünscht und welche Art der Deutung sie erwartet. Das hält die Übung freiwillig und sorgt dafür, dass niemand ungefragt persönliche Aussagen über sich hören muss.

Was Tarot leisten kann

Tarotkarten können als kreative Anstöße und persönliche Reflexionshilfe dienen. Eine qualitative Masterarbeit, also eine Arbeit, die Erfahrungen anhand von Gesprächen untersucht, befragte 2009 an der University of Victoria vier regelmäßige Tarotnutzerinnen. Eine Dissertation der Fordham University aus dem Jahr 2018 stützte sich unter anderem auf zehn ausführliche Interviews. Solche Arbeiten beschreiben Erfahrungen und Deutungen; sie belegen weder eine zuverlässige Vorhersagekraft noch eine therapeutische Wirkung.

Nutzen Sie die Karten deshalb nicht als Ersatz für medizinische, psychologische, rechtliche oder finanzielle Beratung. Wenn Sie vor einer wichtigen Entscheidung stehen, holen Sie sich Unterstützung von einer qualifizierten Fachperson. Für kreative Übungen genügt dagegen eine einfache Regel: Fragen Sie nach Ihren eigenen Gedanken und Möglichkeiten, statt die Karten als sichere Auskunft über die Zukunft oder die Gefühle anderer Menschen zu behandeln.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert