Wenn Sie ein Tarotdeck zum Lernen oder für eigene Legungen suchen, achten Sie auf die Zahlenkarten: Im Rider-Waite-Smith-Deck zeigen sie erzählte Szenen, im Marseille-Tarot meist geordnete Symbole. Moderne Decks verbinden beide Ansätze oder entwickeln eine eigene Bildsprache. Welche Karten Ihnen leichter zugänglich sind, hängt davon ab, ob Sie konkrete Szenen oder offenere Bildmuster bevorzugen.

Ein Tarotdeck umfasst gewöhnlich 78 Karten: 22 große Arkana mit eigenen Motiven und 56 kleine Arkana in vier Farben. Tarotkarten dienten zuerst als Spielkarten. Erst später nutzten Menschen sie für esoterische Deutungen und zum Wahrsagen.

Szenen und Muster auf den Zahlenkarten

An den Bildern der kleinen Arkana erkennen Sie besonders gut, wie leicht sich ein Deck auf den ersten Blick lesen lässt. In der üblichen Einteilung gehören dazu Stäbe, Kelche, Schwerter und Münzen. Beim Rider-Waite-Smith-Deck ist jede Zahlenkarte von Zwei bis Zehn als Szene gestaltet. Beim Marseille-Tarot stehen auf diesen Karten meist wiederholte Farbsymbole in einem Muster.

Dieser Unterschied gibt einen ersten Hinweis darauf, wie Sie sich den Karten nähern können. Szenen liefern konkrete Details, die Sie mit einer Frage verbinden können. Muster lenken den Blick eher auf Zahl, Farbe und Anordnung. Keine der beiden Bildsprachen legt für sich allein fest, wie eine Karte zu deuten ist.

Marseille zeigt Muster

Das Marseille-Tarot ist eine Familie historischer Kartenmuster, keine einzelne, unveränderte Ausgabe. Der Name bezeichnet ein Kartenmuster mit lateinischen Farben, das auch außerhalb von Marseille hergestellt wurde. Historische Exemplare unterscheiden sich in Details; die meisten erhaltenen Ausgaben stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Auf den Zahlenkarten wiederholen sich Stäbe, Kelche, Schwerter oder Münzen meist in einer geordneten Anordnung. Beim Deuten finden Sie dadurch weniger Hinweise auf eine konkrete Handlung. Sie können stattdessen Zahl, Farbe und Muster gemeinsam betrachten. Das erschließt sich anfangs vielleicht weniger leicht, lässt aber mehr Raum für eigene Assoziationen.

Auch die Zuordnung der Farben zu Bedeutungen hängt von der jeweiligen Deutungstradition ab. Sie gilt nicht für jedes Deck und jede Lesart. Eine verbreitete Lesart verbindet Schwerter mit Gedanken oder Luft und Kelche mit Gefühlen oder Wasser. In dieser Lesart stehen Münzen für materielle Fragen oder Erde und Stäbe für Handlung oder Feuer. Wenn Sie ein Marseille-Deck nutzen, lohnt es sich, die Zuordnungen im Begleitbuch mit der eigenen Deutungspraxis abzugleichen.

Rider-Waite erzählt Szenen

Das Rider-Waite-Smith-Deck bietet auf den kleinen Arkana mehr konkrete Bilddetails. Eine dargestellte Haltung, eine Landschaft oder eine Handlung kann als Ausgangspunkt für eine Deutung dienen. Das hilft vielen Einsteigerinnen und Einsteigern, überhaupt einen ersten Zugang zu den Zahlenkarten zu finden.

Der Entwurf entstand um 1909. Arthur Edward Waite gab Vorgaben für die großen Arkana; die Künstlerin Pamela Colman Smith gestaltete die Kartenbilder und hatte bei den kleinen Arkana mehr Spielraum. Einzelne dokumentierte Druckausgaben tragen das Jahr 1910. Der Name Rider-Waite-Smith nennt neben Waite auch Smith, deren Bilder die Bildsprache des Decks entscheidend prägten.

Die anschaulichen Szenen haben allerdings eine Kehrseite: Sie können eine bestimmte Lesart nahelegen. Eine Karte lässt sich trotzdem nicht auf das beschränken, was ihre Illustration auf den ersten Blick erzählt. Betrachten Sie beim Lernen auch wiederkehrende Symbole und die Bedeutung der Karte im Zusammenhang mit der Legung.

Moderne Decks setzen eigene Akzente

„Modern“ bezeichnet keine einheitliche Tarottradition. Manche Decks orientieren sich eng an vertrauten Kartenbildern, andere verändern Figuren, kulturelle Bezüge oder die gesamte Gestaltung. Auch der Zweck kann sich verschieben: Das Process Deck nutzt die Tarotstruktur beispielsweise zur Entwicklung von Aktivismusprojekten statt zur Wahrsagerei.

Auch die Decks einzelner Künstlerinnen und Künstler unterscheiden sich stark: Bea Nettles gestaltete mit dem Mountain Dream Tarot ein fotografisches Deck, während Niki de Saint Phalle eigene Versionen der 22 großen Arkana schuf. Diese Beispiele zeigen verschiedene Wege, keine gemeinsame moderne Bildsprache.

Prüfen Sie deshalb bei einem modernen Deck die Kartenbilder und das Begleitbuch zusammen. Wenn die Zahlenkarten vertraute Szenen zeigen, lässt sich das Deck leichter mit der Rider-Waite-Smith-Bildlogik vergleichen. Bei einer freien Neudeutung brauchen Sie eher eine Erklärung der jeweiligen Motive, um die Karten im vorgesehenen Zusammenhang zu lesen.

Welches Deck passt zu Ihnen?

Wenn Sie beim Lernen gern von sichtbaren Handlungen und Figuren ausgehen, passt Rider-Waite-Smith wahrscheinlich gut zu Ihnen. Wenn Sie lieber mit Zahlen, Farben und Anordnungen arbeiten, passt das Marseille-Tarot vielleicht besser. Ein modernes Deck bietet dann einen guten Einstieg, wenn Sie seine Bilder ansprechend finden und das Begleitbuch die verwendete Symbolik verständlich erklärt.

Es gibt keine allgemeine Rangfolge. Die Bilder erklären, warum ein Deck für manche Menschen leichter zugänglich ist. Sie sagen aber nicht aus, ob Sie es schneller oder langfristig besser lernen. Sehen Sie sich vor dem Kauf gezielt die Zahlenkarten an: Sie zeigen am deutlichsten, ob Ihnen erzählte Szenen, geordnete Muster oder eine neue künstlerische Deutung liegen.

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