Wenn Sie Tarotkarten ziehen, um Gedanken zu ordnen oder Gefühle besser zu verstehen, kann das Bild auf der Karte Ihnen helfen, über sich selbst nachzudenken. Tarot stellt keine Diagnose und sagt nicht zuverlässig voraus, was passieren wird.
Manche Menschen empfinden eine freiwillige Legung als hilfreiche Ergänzung. Psychische Beschwerden behandelt Tarot nicht; seine Wirksamkeit dafür ist nicht ausreichend belegt. Wenn Sie anhaltend belastet sind oder sich in einer Krise befinden, suchen Sie professionelle Hilfe.
Tarot als Reflexionsimpuls
Eine Karte kann den Blick auf eine Situation lenken, die Sie gerade beschäftigt. Vielleicht fällt Ihnen ein Detail im Bild auf, das eine Erinnerung oder ein Gefühl auslöst. Wenn Sie diese Reaktion aufschreiben, erkennen Sie womöglich klarer, was Sie denken oder brauchen.
Was Ihnen die Karte bringt, hängt davon ab, wie Sie sich mit dem Bild auseinandersetzen. Sie entscheiden, ob eine Deutung für Sie passt und welche Bedeutung Sie ihr geben. Eine passende Deutung ist kein Beleg dafür, dass die Karte etwas übernatürlich erkannt oder Ihre Zukunft vorhergesagt hat. Allgemeine Aussagen können sich sehr persönlich anfühlen, auch wenn sie auf viele Menschen zutreffen.
Was Studien zu Tarot zeigen
Die direkte Forschung zu Tarot und psychischer Gesundheit ist begrenzt. Eine qualitative Untersuchung, die persönliche Erfahrungen erfasst, befragte 2009 vier Frauen, die Tarot zur Selbstreflexion nutzten. Sie beschrieben unter anderem Trost und neue Sichtweisen. Eine Doktorarbeit aus dem Jahr 2018 untersuchte durch Interviews und Beobachtungen, wie Tarot-Lesende und Ratsuchende die Praxis erleben. Die Studien berichten von persönlichen Erfahrungen mit Tarot, belegen aber keine therapeutische Wirkung.
Eine explorative Untersuchung aus dem Jahr 2025 verband vier Wochen lang Tarot mit regelmäßigem Journaling, also dem schriftlichen Festhalten eigener Gedanken und Gefühle. Sie berichtete ein besseres Wohlbefinden und ein stärkeres Gefühl, Kontrolle zu haben. Weil beide Methoden zusammen eingesetzt wurden, lässt sich daraus nicht ableiten, welchen Anteil Tarot daran hatte. Die Ergebnisse zeigen auch nicht, dass Tarot Angststörungen oder Depressionen behandelt.
Für Journaling allein gibt es mehr Forschung: Eine Übersichtsarbeit mit 20 randomisierten Studien aus dem Jahr 2022 deutete auf einen möglichen kleinen bis mittleren Nutzen bei psychischen Erkrankungen hin. Die Ergebnisse fielen jedoch unterschiedlich aus und hatten methodische Einschränkungen. Sie belegen nicht, dass Tarot wirksam ist. Insgesamt ist Tarot als Behandlung psychischer Beschwerden nicht nachgewiesen.
Eine Tarotkarte bewusst nutzen
Machen Sie die Übung nur, wenn Sie möchten, und halten Sie sie kurz. Ziehen Sie nicht wiederholt Karten, bis Sie die gewünschte Antwort erhalten. Die folgenden Schritte können Ihnen bei der Selbstreflexion helfen. Wissenschaftlich geprüft ist diese Tarot-Übung nicht:
- Nehmen Sie Ihr Befinden wahr. Fragen Sie sich, was Sie gerade beschäftigt und wie Sie sich körperlich und emotional fühlen.
- Wählen Sie eine offene Frage. Zum Beispiel: „Was möchte ich an meiner Situation besser verstehen?“ oder „Welche Unterstützung könnte mir heute guttun?“
- Ziehen Sie eine Karte und beschreiben Sie das Bild. Achten Sie zunächst auf Einzelheiten, ohne sofort eine feste Bedeutung anzunehmen.
- Prüfen Sie Ihre eigene Reaktion. Welche Gedanken oder Gefühle tauchen auf? Was passt an einer möglichen Deutung nicht? Welche andere Sichtweise gibt es?
- Wählen Sie selbst einen kleinen nächsten Schritt. Notieren Sie, was Sie konkret ausprobieren möchten. Beenden Sie die Übung, wenn sie Grübeln oder Angst verstärkt.
Wenn Ihnen das Aufschreiben hilft, können Sie Gedanken und Gefühle in einem Tagebuch festhalten. Achtsamkeitsübungen, bei denen Sie Ihre Aufmerksamkeit bewusst auf den gegenwärtigen Moment richten, sind ebenfalls nicht für alle angenehm. Brechen Sie ab, wenn Sie sich dadurch schlechter fühlen.
Wo Tarot an Grenzen stößt
Nutzen Sie Karten nicht, um eine psychische Erkrankung festzustellen oder auszuschließen. Treffen Sie anhand einer Legung keine Entscheidungen über Medikamente, Psychotherapie oder andere medizinische Behandlungen. Auch Suizidgedanken, Selbstverletzung und akute Krisen lassen sich nicht mit Tarot abklären.
Bei folgenreichen Entscheidungen kann eine Legung Ihnen höchstens einen Anlass geben, mit jemandem darüber zu sprechen oder Ihre Gedanken aufzuschreiben. Prüfen Sie die Entscheidung anhand konkreter Informationen. Bei Gesundheitsfragen sprechen Sie mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer psychotherapeutischen Fachkraft. Wenn eine andere Person für Sie Karten legt, sollten Sie frei entscheiden können, ob Sie die Deutung annehmen. Wer verspricht, Krankheiten zu erkennen oder die Zukunft sicher vorherzusagen, gibt keine fachliche Einschätzung.
Die Forschung zeigt nicht verlässlich, wie oft Tarot die Belastung von Menschen verstärkt. Achten Sie deshalb auf Ihre eigene Reaktion: Wenn Sie zwanghaft wiederholt Karten ziehen, sich nach einer Legung stärker sorgen oder deswegen Gespräche und professionelle Unterstützung aufschieben, legen Sie die Karten beiseite.
Wann professionelle Hilfe zählt
Wenn psychische Beschwerden anhalten oder Ihren Alltag beeinträchtigen, wenden Sie sich an Ihre Hausarztpraxis oder eine psychotherapeutische Praxis. Tarot sollte diesen Schritt nicht verzögern. Bei akuter Gefahr für Sie selbst oder andere wählen Sie den Notruf 112.
Wenn Sie dringend mit jemandem sprechen möchten, erreichen Sie die TelefonSeelsorge in Deutschland rund um die Uhr unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123.