Beim Tarotlesen verbinden Sie bekannte Kartenbedeutungen mit spontanen Eindrücken zu den Bildern. Die Bedeutungen geben Ihrer Deutung einen Ausgangspunkt. Persönliche Assoziationen sind Ideen, die Sie prüfen sollten. Sie sagen nicht sicher voraus, was passiert oder was andere Menschen denken.
Tarot-Symbole geben Orientierung
Ein verbreitetes Tarotdeck umfasst 78 Karten: 22 Große und 56 Kleine Arkana. Die Karten zeigen Figuren, Gegenstände und Situationen. Verschiedene Tarottraditionen verbinden sie mit bestimmten Themen. Diese Bedeutungen helfen beim Einstieg, gelten aber nicht für jedes Deck und jede Legung gleich.
Tarotkarten sind in Europa seit dem 15. Jahrhundert als Spielkarten belegt. Erst später wurden sie mit Wahrsagerei verbunden. Die heutigen Kartenbedeutungen haben sich mit der Zeit entwickelt. Sie stammen nicht unverändert aus der Entstehungszeit der Karten.
Nutzen Sie die Kartenbedeutungen wie eine Landkarte. Sie zeigen mögliche Wege, schreiben Ihnen aber keinen davon vor. Lernen Sie zunächst einige verbreitete Bedeutungen der Karte. Betrachten Sie dann das Bild: Welche Figur fällt Ihnen auf? Wohin schaut sie? Was tut sie, und welche Stimmung zeigt die Szene? So stützen Sie Ihre Deutung auf das Bild.
Intuition liefert erste Ideen
Beim Betrachten eines Bildes kommen manchmal Gedanken oder Gefühle auf, bevor Sie erklären können, woher sie kommen. In der Psychologie wird Intuition unter anderem als schnelles Erkennen von Mustern oder Zusammenhängen beschrieben. Wissen und Erfahrung können dabei mitwirken. Auch Erinnerungen können eine Rolle spielen. Eine spontane Eingebung kann Ihnen einen Denkanstoß geben, ist aber nicht automatisch verlässliche Information.
Halten Sie den Gedanken deshalb zunächst offen. Formulierungen wie „Das erinnert mich an …“ oder „Eine mögliche Lesart wäre …“ helfen, Beobachtung und Schlussfolgerung auseinanderzuhalten. Fragen Sie sich anschließend, ob die Idee zur gestellten Frage passt und ob eine andere Deutung ebenfalls plausibel ist.
Ein starkes Gefühl beweist nicht, dass eine Aussage über die Außenwelt stimmt. Erwartungen, selektive Aufmerksamkeit und der sogenannte Barnum-Effekt können dazu führen, dass allgemein gehaltene Aussagen persönlich und treffend wirken. Der Barnum-Effekt beschreibt die Neigung, vage Beschreibungen als besonders passend für die eigene Person zu erleben.
Tarotkarten Schritt für Schritt deuten
Ein einfacher Ablauf hilft Ihnen, Kartenbedeutungen und Bauchgefühl zusammenzubringen:
- Formulieren Sie eine offene Frage. Fragen Sie zum Beispiel: „Was hilft mir, diese Situation klarer zu sehen?“ Die Frage lenkt den Blick auf Ihre eigene Wahrnehmung und darauf, was Sie tun können.
- Beschreiben Sie zuerst das Bild. Benennen Sie, was tatsächlich zu sehen ist, bevor Sie eine Bedeutung daraus ableiten.
- Rufen Sie eine vertraute Deutung auf. Prüfen Sie, welche Bedeutung in der Tradition Ihres Decks für die Karte üblich ist.
- Notieren Sie Ihre spontane Assoziation als Möglichkeit. Fragen Sie sich danach, ob sie zur Frage passt und welche andere Erklärung ebenfalls Sinn ergibt.
Angenommen, Sie ziehen eine Mondkarte und bemerken spontan das Thema Unsicherheit. Sie können daraus die Frage ableiten: „Wo fehlen mir gerade Informationen?“ Das bleibt eine Anregung zur Selbstreflexion. Die Karte beweist weder, dass jemand lügt, noch dass ein bestimmtes Ereignis bevorsteht.
Grenzen beim Tarotlesen
Tarot kann als Gesprächs- oder Denkimpuls dienen. Eine qualitative Studie, die zehn ausführliche Interviews und Beobachtungen vor Ort umfasste, beschreibt, wie Menschen Tarot nutzen: Sie suchen damit unter anderem nach Einsichten und Bestätigung oder beschäftigen sich spielerisch mit Themen. Solche Beobachtungen zeigen, wie Menschen Tarot erleben. Sie belegen weder eine allgemeine Wirkung noch die Fähigkeit, die Zukunft vorherzusagen.
Auch eine ältere Untersuchung zu Tarotdeutungen der Persönlichkeit lässt sich nicht als Maßstab für alle Legungen verwenden. Sie untersuchte Tarot unter bestimmten Versuchsbedingungen und klärt nicht, ob es einzelnen Menschen bei der Selbstreflexion hilft. Aus ihr lässt sich keine verlässliche allgemeine Trefferquote für Tarotvorhersagen ableiten.
Nutzen Sie eine Legung nicht als einzige Grundlage für Entscheidungen über Gesundheit, Geld oder Sicherheit. Prüfen Sie solche Fragen anhand passender Informationen und holen Sie qualifizierten Rat ein. Wenn eine Eingebung dramatisch klingt oder Sie stark beunruhigt, halten Sie inne. Fragen Sie sich, welche überprüfbaren Hinweise es unabhängig von der Karte gibt.