Wenn Sie ein Deck für persönliche Impulse oder zum Kartenlegen suchen, unterscheiden sich Tarot- und Orakeldecks vor allem im Aufbau. Tarotdecks folgen einem überlieferten Grundsystem. Orakeldecks haben keine feste Kartenanzahl oder einheitliche Ordnung; jedes Deck legt Thema, Bildsprache und Bedeutungen selbst fest.
Das Tarot-System lässt sich über verschiedene Decks hinweg wiedererkennen. Bei Orakeldecks sind Karten und Begleitbuch meist stärker aufeinander abgestimmt. Keines der beiden Decks ist grundsätzlich leichter oder treffsicherer.
Aufbau eines Tarotdecks
Ein klassisches Tarotdeck hat 78 Karten. Die 22 Großen Arkana bilden einen eigenen Teil des Decks. Die übrigen 56 Karten, die Kleinen Arkana, verteilen sich auf vier Farben mit Zahlen- und Hofkarten. Viele Deutungen verbinden die Großen Arkana mit umfassenderen Themen. Die Kleinen Arkana stehen für Alltagssituationen und einzelne Lebensbereiche. Die genaue Deutung hängt jedoch von der Tarot-Tradition und dem jeweiligen Deck ab.
Dieses Grundgerüst erleichtert es, Tarotkarten zu vergleichen und Legesysteme zu lernen. Eine Legung ist eine festgelegte Anordnung von Karten. Jede Position steht für eine bestimmte Frage oder Perspektive. Beim Deuten achten viele auf einzelne Karten, ihre Position und das Zusammenspiel mit den übrigen Karten.
78 Karten sind der übliche Standard, aber nicht jedes historische oder verwandte Kartenspiel hat genau diese Anzahl. Auch moderne Tarotdecks verändern Namen, Bilder oder Zuordnungen. Prüfen Sie deshalb beim Kauf, ob das Begleitbuch die Karten im klassischen Tarot-System erklärt oder eine eigene Variante verwendet.
Aufbau von Orakeldecks
Für Orakeldecks gibt es keine gemeinsame Grundordnung. Ein Deck kann Tiere, Pflanzen, Engel oder ein anderes Thema aufgreifen. Die Anzahl der Karten, ihre Bezeichnungen und die Art der Deutung unterscheiden sich ebenfalls. Manche Karten tragen Schlüsselwörter oder kurze Fragen. Bei anderen ergibt sich die Bedeutung vor allem aus den Bildern und dem Begleitbuch.
Dadurch hängt das Lernen stärker vom einzelnen Deck ab. Eine Karte mit dem Wort „Neuanfang“ gibt einen direkten Impuls; eine bildreiche Karte ohne Text lässt mehr Raum für eigene Assoziationen. Ein kleines Deck ist deshalb nicht automatisch einfacher. Wenn die Karten keine Hinweise enthalten, müssen Sie die Bedeutungen im Begleitbuch nachlesen oder selbst durch die Beschäftigung mit dem Deck herausarbeiten.
„Orakel“ bedeutet dabei nicht, dass ein Deck ohne Regeln auskommt. Manche Orakeldecks haben eine klare innere Ordnung und wiederkehrende Bedeutungen. Diese Ordnung folgt keinem gemeinsamen Tarot-System, das für verschiedene Decks gilt.
Tarot- und Orakelkarten deuten
Bei einer Tarotlegung deuten Sie häufig mehrere Karten zusammen. Eine Karte kann beispielsweise für die Ausgangslage stehen, eine weitere für eine Herausforderung und eine dritte für einen möglichen nächsten Schritt. Das Tarot-System bietet dafür wiederkehrende Symbole und Kategorien. Dabei berücksichtigen Sie auch die Bilder und Bedeutungen des jeweiligen Decks.
Viele ziehen eine Orakelkarte einzeln als Impuls oder wählen sie passend zu einem bestimmten Thema. Sie können etwa eine Karte auswählen, die eine Frage für den Tag aufwirft. Das ist eine mögliche Praxis, keine feste Regel für alle Orakeldecks. Auch Tarot lässt sich mit einer einzelnen Tageskarte nutzen, und ein Orakeldeck kann komplexere Legungen enthalten.
Manche ziehen zusätzlich zu einer Tarotlegung eine Orakelkarte, um einen abschließenden Gedanken einzubeziehen. Wenn Sie beide Decks kombinieren, legen Sie am besten vorher fest, welche Rolle die zusätzliche Karte hat. So bleibt die Deutung übersichtlich, statt dass immer neue Karten dieselbe Frage beantworten sollen.
Welches Deck zu Ihnen passt
Überlegen Sie, ob Sie lieber ein wiedererkennbares System lernen oder mit einer bestimmten Themenwelt arbeiten möchten. Beim Tarot lernen Sie ein System kennen, das in verschiedenen Decks wiederkehrt. Dafür beschäftigen Sie sich mit mehreren Kartengruppen und ihren Beziehungen. Ein Orakeldeck kann direkt ein bestimmtes Thema aufgreifen. Dabei hilft oft die Anleitung zu diesem Deck.
Prüfen Sie vor dem Kauf:
- Gefällt Ihnen die Bildsprache, und können Sie sich vorstellen, regelmäßig mit diesen Motiven zu arbeiten?
- Stehen Begriffe oder Fragen auf den Karten, oder erklärt erst das Begleitbuch ihre Bedeutung?
- Möchten Sie ein System kennenlernen, das sich mit anderen Tarotdecks vergleichen lässt?
- Passt die Art der Deutung zu Ihrem Vorhaben, etwa zu einer Tageskarte oder einer mehrteiligen Legung?
Schauen Sie sich, wenn möglich, mehrere Karten an und werfen Sie einen Blick ins Begleitbuch. Achten Sie darauf, ob dessen Erklärungen Ihnen Orientierung geben, ohne Ihre eigene Deutung vollständig vorzugeben.
Lenormand als Sonderfall
Lenormand wird im Handel teilweise als Orakeldeck eingeordnet. Das Kartensystem folgt jedoch einer eigenen Tradition und umfasst typischerweise 36 Karten. Es zeigt, dass „Orakelkarten“ als Sammelbezeichnung sehr unterschiedliche Decks einschließt: Manche sind frei gestaltet, andere haben feste Regeln und eine lange Tradition.
Wenn Sie ein Lenormanddeck kaufen, prüfen Sie daher, ob die Anleitung ausdrücklich das Lenormand-System erklärt. Allgemeine Hinweise zu Orakelkarten reichen für seine spezifischen Kartenkombinationen nicht unbedingt aus.
Kartenlegen zur Reflexion nutzen
Tarot entstand in der Renaissance zunächst als Kartenspiel. Die Verbindung zu Wahrsagerei und okkulten Deutungen gewann erst später an Bedeutung. Heute nutzen Menschen Karten auf unterschiedliche Weise, darunter als spirituelle Praxis, als Anstoß zum Nachdenken oder als kreative Arbeit mit Bildern.
Eine Kartenlegung ist eine Deutung, keine verlässliche Vorhersage. Nutzen Sie sie als Reflexionsangebot und prüfen Sie wichtige Entscheidungen anhand konkreter Informationen. Medizinische, finanzielle oder rechtliche Schritte sollten Sie nicht von Karten abhängig machen; holen Sie dafür geeigneten fachlichen Rat ein.